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KI-Apps mit Datenlecks: Firehound listet Millionen exponierte Nutzerdaten – Betroffenheit & Sofortmaßnahmen

KI-Apps mit Datenlecks: Firehound listet Millionen exponierte Nutzerdaten – Betroffenheit & Sofortmaßnahmen – Artikel von Mika Schmidt, IT-Security Consultant / Analyst

Stand: 20. Januar 2026 – zuletzt aktualisiert

KI-Apps sind längst im Alltag angekommen – und damit auch im Arbeitskontext. Aktuelle Recherchen zeigen jedoch: Bei zahlreichen iOS-Apps waren Backend-Datenquellen offenbar so konfiguriert, dass Nutzerdaten aus dem Internet abrufbar waren. [News]

Dieser Beitrag ist für Teams gedacht, die schnell entscheiden müssen: Bin ich betroffen? Und wenn ja: Welche Sofortmaßnahmen reduzieren Risiko und Schaden? Sie bekommen außerdem eine pragmatische Einordnung zu DSGVO, Shadow-IT und Cloud-Misconfigurations.

Kurzantwort

Viele KI-Apps speichern Chats und Dateien in Cloud-Datenbanken oder Cloud-Speichern. Wenn diese Backends falsch konfiguriert sind, können Inhalte ohne Hack öffentlich abrufbar sein – z. B. durch fehlende Authentifizierung oder zu permissive Zugriffsregeln. [Datenquelle]

  • Wenn Mitarbeitende sensible Inhalte in KI-Apps eingegeben haben: als potenziellen Incident behandeln (Triage + Dokumentation).
  • Wenn Sie MDM/BYOD betreiben: App-Inventar prüfen und KI-Policy nachziehen.

TL;DR – die wichtigsten Schritte

  1. Inventar: Welche KI-Apps sind installiert/genutzt (privat/geschäftlich)?
  2. Abgleich: App in Firehound suchen und Exposure-Hinweise prüfen.
  3. Wenn genutzt: Passwörter ändern, Sessions beenden, Berechtigungen minimieren.
  4. Unternehmen: DSGVO/Incident-Prozess starten, wenn personenbezogene Daten betroffen sein könnten.

1. Was passiert ist – und warum das so häufig vorkommt

Sicherheitsforscher haben im Umfeld vieler iOS-Apps Datenquellen gefunden, die ohne ausreichende Zugriffskontrolle aus dem Internet erreichbar waren. Das reicht von Profil- und Kontaktdaten bis hin zu Chatverläufen. [News]

Wichtig: Solche Vorfälle entstehen oft nicht durch eine besonders raffinierte Attacke, sondern durch Fehlkonfigurationen – zum Beispiel: eine Datenbank ist öffentlich lesbar, ein Storage-Bucket erlaubt Listing/Download oder Sicherheitsregeln sind zu permissiv gesetzt.

Dass Apps einen Review-Prozess durchlaufen, bedeutet nicht automatisch, dass die komplette Backend-Infrastruktur (Datenbanken, Storage, IAM, Logging) im Detail sicherheitstechnisch geprüft wird. Apples Dokumentation beschreibt Review und Sicherheitsziele – die Verantwortung für Backend-Härtung bleibt aber beim Anbieter. [Hintergrund] [Policy]

2. Betroffenheitsprüfung (Nutzer & Unternehmen)

2.1 Für Nutzer: schneller Reality-Check

  1. Welche KI-Apps nutze ich wirklich? Prüfen Sie installierte Apps, aber auch: Welche Apps haben Sie registriert/abonniert?
  2. Habe ich sensible Inhalte eingegeben? Kundendaten, interne Informationen, Passwörter, Screenshots, Dokumente, persönliche Themen.
  3. Firehound-Abgleich: Suchen Sie die App im Dashboard und prüfen Sie Hinweise auf öffentlich zugängliche Datensätze. [Datenquelle]
  4. Wenn ja: Passwort- und Session-Hygiene (siehe Maßnahmen) + sensible Nutzung stoppen.

2.2 Für Unternehmen: wo das Risiko real wird

Auch wenn die App „privat“ genutzt wird: Sobald Mitarbeitende berufliche Informationen in KI-Apps tippen, entsteht ein Data-Exposure-Risiko – inklusive möglicher DSGVO-Relevanz. Typische Trigger:

  • BYOD ohne klare KI-Policy (kein Whitelisting/keine Awareness)
  • Kein App-Inventar (MDM/Inventory fehlt oder wird nicht ausgewertet)
  • „Nur mal schnell“ Texte zusammenfassen lassen – mit Kunden-, Personal- oder Projektdaten

Wenn Sie die Nutzung von KI-Tools strukturiert steuern wollen, lohnt sich eine Einbettung in Ihr IT-Sicherheitskonzept und – je nach Reifegrad – in ein ISMS / ISO 27001. IT-Security Check und ISO 27001 Beratung sind dafür typische Startpunkte.

3. DSGVO & Compliance: wann aus „Leak“ ein Meldefall wird

Bei exponierten KI-App-Daten geht es häufig um personenbezogene Daten (z. B. Name, E-Mail, Nutzer-IDs, Chat-Inhalte). Damit kann schnell ein Datenschutzvorfall vorliegen – insbesondere, wenn Dritte unbefugt zugreifen konnten oder ein Zugriff nicht ausgeschlossen werden kann.

Frage Warum wichtig Pragmatischer Next Step
Sind personenbezogene Daten betroffen? DSGVO-Relevanz, potenzielle Meldefristen Triage + Dokumentation + DSB/Legal einbinden
Können wir unbefugten Zugriff ausschließen? Entscheidet über Schwere und Maßnahmen Logs/Audit prüfen, Provider-Statement anfordern
Welche Datenklassen (Kunde, HR, IP)? Impact & Kommunikationsbedarf Betroffene Datensätze eingrenzen, Risiko bewerten

Für viele Unternehmen ist das auch ein Governance-Thema: KI-Tools gehören in eine klare Policy (erlaubt/verboten), samt Regeln zu Dateneingaben (z. B. keine Kundendaten, keine Credentials) und Freigabeprozessen (Whitelisting statt Tool-Wildwuchs).

4. Typische Ursachen: Cloud-Misconfig statt „Hacker-Magie“

In der Praxis sehen wir bei App-Backends immer wieder dieselben Muster. Ein paar Beispiele (stark vereinfacht):

Ursache Typisches Symptom Risiko Quick Fix
Öffentliche DB-Regeln Unauthenticated Read / List möglich Massendownload von Nutzerdaten Auth erzwingen, Rules restriktiv
Offener Storage-Bucket Dateien frei abrufbar oder listbar Leaks von Uploads, Logs, Exporten Public Access blocken, IAM härten
Fehlendes Logging/Alerting Kein Alarm bei anomalem Traffic Leak bleibt lange unentdeckt Audit Logs + Alerts + Baselines

5. Sofortmaßnahmen: Was Sie heute tun können

5.1 Für Nutzer (und kleine Teams ohne MDM)

  1. Passwörter ändern – besonders, wenn Sie dasselbe Passwort anderswo verwenden (idealerweise Passwortmanager + unique).
  2. Aktive Sessions beenden (falls App das anbietet) und ggf. Account löschen.
  3. Berechtigungen minimieren: Kontakte/Fotos/Mikro nur, wenn zwingend nötig.
  4. Sensible Inhalte stoppen: keine Kundeninfos, keine Zugangsdaten, keine internen Dokumente.

5.2 Für Unternehmen: pragmatischer Incident-Miniplan

  1. Inventarisierung: Welche Apps sind in der Flotte (MDM/Inventory)? Fokus auf KI-Apps.
  2. Betroffenheitsinterview: Welche Daten wurden eingegeben? (PII, HR, Kunde, IP, Credentials)
  3. Risk Triage: Impact bewerten, Logs anfordern/prüfen, Zugriff nicht ausschließen ⇒ konservativ behandeln.
  4. Datenschutz/Legal früh einbinden, wenn personenbezogene Daten betroffen sein könnten.
  5. Kontrollen nachziehen: App-Whitelisting, KI-Policy, Awareness, Datenklassifizierung.

6. Developer-Checkliste: Leaks zuverlässig verhindern

Wenn Sie selbst Apps entwickeln oder Backend-Services betreiben, sind die wichtigsten Hebel erstaunlich „bodenständig“: Default-Deny, saubere AuthZ, und automatisierte Checks vor dem Release.

6.1 Minimal-Guardrails in CI/CD

  • IaC-Scanning: Terraform/CloudFormation gegen Public-Access-Muster prüfen
  • Secrets-Scanning: Commits/Build-Artefakte auf Keys/Tokens prüfen
  • Backend Smoke Test: „Unauthenticated list/read“ muss in Tests fehlschlagen
  • Least Privilege: Service Accounts nur mit exakt benötigten Rechten

6.2 Beispiel: Firestore Rules (Default Deny)

Beispiel-Konfiguration: Firestore Rules, die Lese-/Schreibzugriff strikt an Auth koppeln und pro User isolieren.

rules_version = '2';
service cloud.firestore {
  match /databases/{database}/documents {

    // Default: deny everything
    match /{document=**} {
      allow read, write: if false;
    }

    // Example: user-scoped chats
    match /users/{userId}/chats/{chatId} {
      allow read, write: if request.auth != null && request.auth.uid == userId;
    }
  }
}
  

6.3 Beispiel: S3 Public Access Block (CLI)

Beispiel-Konfiguration: Public Access Block für einen S3-Bucket aktivieren (Baseline gegen „aus Versehen öffentlich“).

aws s3api put-public-access-block \
  --bucket YOUR_BUCKET_NAME \
  --public-access-block-configuration \
  BlockPublicAcls=true,IgnorePublicAcls=true,BlockPublicPolicy=true,RestrictPublicBuckets=true
  

6.4 Monitoring: das fehlt fast immer

Selbst wenn Regeln korrekt sind: ohne Audit Logs und Anomalie-Detection merken Teams oft zu spät, dass etwas schief läuft. Minimum:

  • Cloud Audit Logs an (Read/List/Download Events)
  • Alerts auf Download-Spitzen, neue Public-Policies, neue Service Accounts
  • Regelmäßige Review-Routine (monatlich) für IAM/Policies

7. Firehound Top-Apps: Exponierte Datensätze im Überblick

Firehound zeigt u. a. eine „Highest exposure“-Liste. Die folgenden Werte stammen aus den Top-Charts „Most files exposed“ (Stand: 20. Januar 2026). [Datenquelle]

Rang App Exponiert (Files/Records) Hinweis
1 Chat & Ask AI by Codeway 406.033.606 Database • Files
2 GenZArt 18.904.931 Database • Files
3 YPT - Study Group 13.503.620 Database • Files
4 Adult Coloring Book - Pigment 7.736.813 Database
5 Kmstry 7.414.605 Database • Files
6 song.ai.generator 5.376.464 Database
7 Genie 5.354.080 Database • Files
8 FaceDance 3.864.030 Database
9 Wonder 2.101.566 Database
10 Chatbot AI 1.732.710 Database

Wichtig für die Praxis: Die Zahl „exponiert“ sagt noch nicht, welche Datenkategorien enthalten sind – aber sie ist ein starkes Signal, dass Unauthenticated Zugriff oder zu breite Zugriffsregeln existierten.

8. Was Unternehmen langfristig lernen müssen

Firehound ist nicht nur „Security News“, sondern ein Muster: Tool-Sprawl + Cloud-Misconfig trifft auf fehlende Governance. Damit das nicht jedes Quartal wieder passiert, helfen drei Bausteine:

Baustein Ziel Pragmatische Umsetzung
KI-Tool-Policy Shadow-IT reduzieren, Risiko steuern Whitelist + klare Verbote (Kundendaten, HR, Credentials), Freigabeprozess
Cloud Baseline Security „Aus Versehen öffentlich“ verhindern Default-Deny, Public Access Block, IaC-Checks, Secrets-Scanning
Incident Readiness Schnell handeln, sauber dokumentieren Triage-Playbook, Rollen, Logging/Retention, Datenschutz-Handshake

Einschätzung von Six Eight Consulting (aus der Praxis)

In Assessments sehen wir Cloud-Exposure selten als „einzelnen Fehler“. Häufig fehlen Guardrails: Ownership, Standards und automatisierte Checks. Der schnellste Weg zu messbarer Risikoreduktion ist ein kleines Set verbindlicher Baselines (Default-Deny, Logging, CI-Checks) plus klare Policy für KI-Tools im Unternehmen.

9. FAQ

9.1 Was ist Firehound und warum ist das für Unternehmen relevant?

Firehound ist ein öffentliches Verzeichnis, das Apps mit exponierten Backends listet. Für Unternehmen ist das relevant, weil Mitarbeitende KI-Apps häufig spontan installieren („Shadow-IT“) und dabei schnell Inhalte mit personenbezogenen oder vertraulichen Informationen eingeben. [Datenquelle]

9.2 Hat das DSGVO-Relevanz?

Häufig ja: Sobald personenbezogene Daten betroffen sind, sollten Unternehmen den Vorfall intern dokumentieren und Datenschutz/Legal einbinden, um Meldepflichten, Fristen und Kommunikation zu bewerten.

9.3 Reicht Apples App-Review aus?

Apple beschreibt umfangreiche Review- und Sicherheitsziele. Gleichzeitig ist die Backend-Sicherheit letztlich Aufgabe der Entwickler/Anbieter – besonders bei Cloud-Konfiguration, IAM und Logging. [Hintergrund] [Policy]

9.4 Was ist die wichtigste Ein-Maßnahme für Entwickler?

Default Deny: Öffentliches Lesen/Listen muss grundsätzlich aus sein – und jede Ausnahme muss bewusst, getestet und überwacht werden. Ein automatisierter Backend-Smoke-Test (unauthenticated read/list) in CI verhindert viele Klassiker.

10. Quellen & weiterführende Links

Offizielle Quellen und Primär-Datenquelle:

Stand: 20.01.2026

Dieser Artikel wird bei neuen Entwicklungen aktualisiert. Prüfen Sie für Detail-Listen bitte die Primärquelle (Firehound).

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