Bösartige npm-Pakete mit Infostealer, Phantom Bot und Shai-Hulud-Klon als Risiko für Software-Supply-Chains
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Shai-Hulud-Klon in npm: Infostealer und Phantom Bot bedrohen Entwickler

Ein Shai-Hulud-Klon und drei weitere bösartige npm-Pakete liefern Infostealer und Phantom Bot aus. IOCs, betroffene Pakete und Sofortmaßnahmen.

Mika Schmidt, IT Security Experte

Mika Schmidt

IT Security Experte

Vier neu entdeckte bösartige npm-Pakete zeigen, wie schnell sich Supply-Chain-Risiken im JavaScript-Ökosystem verschieben: Aus einem Tippfehler in einer Paketinstallation kann ein Infostealer, ein Shai-Hulud-Klon oder sogar ein DDoS-Bot auf einem Entwicklergerät oder CI-Runner werden. OX Security meldete die Pakete am 17. Mai 2026; The Hacker News griff den Vorfall am 18. Mai 2026 auf.

Besonders heikel ist die Mischung: Drei Pakete stehlen Zugangsdaten, Cloud-Credentials, SSH-Schlüssel, Umgebungsvariablen oder Wallet-Daten. Das vierte Paket, axois-utils, liefert zusätzlich einen Go-basierten Phantom Bot aus, der Systeme in ein DDoS-Botnet einbindet.

Betroffene npm-Pakete

Alle vier Pakete wurden laut OX Security durch denselben npm-Nutzer veröffentlicht. Die Namen sind auffällig: chalk-tempalte imitiert ein generisches Template-/Chalk-Muster, axois-utils spielt auf den bekannten HTTP-Client Axios an und nutzt dabei einen klassischen Typosquatting-Dreher.

Übersicht der vier Pakete

Vier Pakete desselben npm-Nutzers mit unterschiedlichen Schadfunktionen.
PaketMalware-TypHauptwirkungEinordnung
chalk-tempalteShai-Hulud-Klon / InfostealerSecrets, Credentials und GitHub-Tokens exfiltrierenTyposquatting mit kopiertem Wurm-Code
@deadcode09284814/axios-utilInfostealerSSH-Keys, Env-Variablen und Cloud-Credentials sammelnDirekter Datendiebstahl nach Installation
axois-utilsPhantom Bot / DDoS-BotnetHTTP-, TCP- und UDP-Flooding gegen Ziele ausführenTyposquatting auf Axios-Nutzer
color-style-utilsInfostealerIP-, Geo-, Wallet- und Systemdaten sammelnGenerisches Utility-Paket als Köder

Warum dieser npm-Angriff gefährlich ist

Der Vorfall ist mehr als ein weiterer Fall von „malicious packages“. Er verbindet drei Trends, die Security-Teams 2026 ernst nehmen müssen: Typosquatting gegen Entwickler, wiederverwendbaren Malware-Code aus früheren Supply-Chain-Angriffen und kompromittierte Entwicklungsumgebungen als Sprungbrett in Cloud, GitHub und CI/CD.

Der Shai-Hulud-Klon in chalk-tempalte ist dabei das deutlichste Signal. OX Security beschreibt das Paket als nahezu unveränderte Kopie des zuvor geleakten Shai-Hulud-Codes. Die Malware nutzt einen eigenen C2-Server, exfiltriert Zugangsdaten und kann gestohlene Daten über die GitHub-API in ein neues öffentliches Repository schreiben. Die dabei genutzte Repository-Beschreibung lautet laut Bericht A Mini Sha1-Hulud has Appeared.

Das passt zu dem Muster, das wir bereits beim Mini-Shai-Hulud-Angriff auf TanStack und beim älteren Shai-Hulud-2.0-Supply-Chain-Angriff gesehen haben: Der eigentliche Schaden entsteht nicht nur im Quellcode, sondern in den Identitäten, Tokens und Automatisierungen rund um den Code.

Technische Analyse: Infostealer und Phantom Bot

Die vier Pakete wurden zwar demselben npm-Account zugeordnet, verhalten sich aber nicht identisch. Das ist für die Verteidigung wichtig: Ein pauschaler „wir suchen nach einer Datei“-Ansatz reicht nicht. Teams müssen Lockfiles, Installationszeitpunkte, ausgehende Netzwerkverbindungen, GitHub-Aktivität und lokale Persistenzartefakte gemeinsam betrachten.

chalk-tempalte: Shai-Hulud als Copycat-Paket

chalk-tempalte ist besonders riskant, weil es laut OX Security einen direkten Klon des geleakten Shai-Hulud-Codes enthält. Der Angreifer ersetzte C2-Server und Schlüssel, ließ die Logik aber im Kern intakt. Ziel sind Secrets, Zugangsdaten, Cloud-Konfigurationen, Wallets und GitHub-Tokens.

axios-util und color-style-utils: direkte Credential-Stealer

@deadcode09284814/axios-util sammelt laut OX Security unter anderem SSH-Schlüssel, Umgebungsvariablen sowie AWS-, GCP- und Azure-Credentials. color-style-utils ist ebenfalls ein Infostealer und sammelt unter anderem IP- und Geodaten sowie Krypto-Wallet-Informationen.

axois-utils: Phantom Bot macht Entwicklergeräte zum DDoS-Werkzeug

axois-utils ist der Ausreißer in der Kampagne. Das Paket enthält einen Go-basierten Bot-Dienst namens Phantom Bot. Laut Analyse kann er HTTP-, TCP- und UDP-Floods ausführen und versucht, nach der Installation auf dem System zu bleiben. Damit wird aus einem Supply-Chain-Angriff nicht nur ein Credential-Theft-Vorfall, sondern potenziell auch ein Missbrauch der eigenen Infrastruktur für Angriffe auf Dritte.

Schnellcheck: Ist mein Projekt betroffen?

Prüfen Sie zuerst die offensichtlichen Stellen: package.json, Lockfiles, CI-Logs, Build-Artefakte und Paketinstallationen auf Entwicklergeräten. Wichtig ist dabei die Schreibweise: axois-utils ist nicht axios-utils, sondern ein Typosquatting-Name.

bash
rg -n '"(chalk-tempalte|@deadcode09284814/axios-util|axois-utils|color-style-utils)"' \
  package.json package-lock.json npm-shrinkwrap.json pnpm-lock.yaml yarn.lock bun.lockb
Lockfiles und package.json gezielt nach den vier bekannten Paketnamen durchsuchen.

Zusätzlich lohnt sich ein Blick auf installierte Abhängigkeiten. Der folgende Befehl kann mit einem Fehlercode enden, wenn die Pakete nicht installiert sind; relevant ist die Ausgabe, nicht nur der Exit-Code.

bash
npm ls chalk-tempalte @deadcode09284814/axios-util axois-utils color-style-utils
Installierte Abhängigkeiten auf die betroffenen Pakete prüfen.

npm audit und npm audit signatures bleiben sinnvolle Bestandteile einer Security-Baseline. Sie ersetzen aber keine Malware-Hunting-Logik: Frische bösartige Pakete werden oft schneller installiert, als zentrale Advisory- oder Reputationsdatenbanken reagieren können.

Sofortmaßnahmen nach Installation

Wenn eines der Pakete installiert wurde, sollte der erste Reflex nicht „einmal npm uninstall und weiter“ sein. Bei Infostealern und Bot-Persistenz zählt die Reihenfolge: zuerst eindämmen und sichern, dann bereinigen, dann Secrets rotieren.

Reihenfolge im Incident-Fall

  1. 1

    Host isolieren

    Entwicklergerät, CI-Runner oder Build-System vom Netzwerk trennen beziehungsweise Egress stark einschränken.

  2. 2

    Beweise sichern

    Lockfiles, Shell-History, CI-Logs, npm-Cache, Prozesslisten, Autostart-/Scheduler-Einträge und relevante Netzwerklogs sichern.

  3. 3

    Pakete entfernen

    Paket aus package.json und Lockfiles entfernen, anschließend reproduzierbar neu installieren.

  4. 4

    Persistenz suchen

    Autostart, scheduled tasks, systemd-Units, Shell-Profile, IDE- und Coding-Agent-Konfigurationen prüfen.

  5. 5

    Secrets rotieren

    GitHub-Tokens, npm-Tokens, SSH-Schlüssel, Cloud-Credentials, CI/CD-Secrets, Vault-Tokens und betroffene API-Keys ersetzen.

  6. 6

    GitHub prüfen

    Nach unbekannten öffentlichen Repositories und insbesondere nach der Beschreibung „A Mini Sha1-Hulud has Appeared“ suchen.

  7. 7

    Neu aufsetzen

    Kritische CI-Runner und Build-Hosts lieber sauber neu provisionieren, statt auf manuelle Bereinigung zu vertrauen.

IOCs: Domains, IPs und Suchmuster

OX Security nennt mehrere Netzwerkindikatoren, die Security-Teams in DNS-, Proxy-, EDR- und Firewall-Logs prüfen sollten. Schreiben Sie die IOCs in Detektionsregeln bewusst defanged, damit sie nicht versehentlich anklickbar oder automatisch aufgelöst werden.

Prävention: npm-Supply-Chain-Schutz für Teams

Dieser Fall zeigt, warum „wir nutzen nur Open Source“ keine Risikostrategie ist. Moderne AppSec muss Paketinstallationen, Entwickleridentitäten und CI/CD-Secrets als zusammenhängendes System behandeln.

  • Paketnamen reviewen: Neue direkte Dependencies brauchen Review, besonders bei ähnlich klingenden Namen wie axios versus axois.
  • Allowlist für CI/CD: Kritische Builds sollten nur freigegebene Paketquellen und interne Mirrors nutzen.
  • Lifecycle-Scripts begrenzen: npm ci --ignore-scripts ist nicht überall praktikabel, aber in Build-Stufen ohne legitime Install-Scripts ein starker Schutz.
  • Secrets knapp halten: Entwicklergeräte und PR-Builds sollten keine langlebigen Cloud- oder Publishing-Credentials besitzen.
  • Registry-Signaturen und Provenance prüfen: Nutzen Sie npm audit signatures dort, wo es in Ihren Prozess passt.
  • Egress überwachen: Build-Systeme brauchen oft Internetzugriff, aber nicht beliebige Verbindungen zu neuen Domains oder ungewöhnlichen Ports.
  • AI-Coding-Agenten einbeziehen: Prüfen Sie Agenten- und IDE-Konfigurationen, weil genau dort Tokens, MCP-Zugriffe, Shell-Kommandos und Paketinstallationen zusammenlaufen.

Gerade wer Automatisierung über n8n, CI/CD und Agenten nutzt, sollte die Lehre aus diesem Fall breit ziehen: Ein bösartiges npm-Paket kann nicht nur eine Web-App kompromittieren, sondern auch die Werkzeuge, mit denen diese Web-App gebaut, ausgeliefert und betrieben wird.

Häufige Fragen

Häufige Fragen zum npm-Supply-Chain-Angriff

Welche bösartigen npm-Pakete sind betroffen?
Betroffen sind laut OX Security und The Hacker News chalk-tempalte, @deadcode09284814/axios-util, axois-utils und color-style-utils. Alle genannten Pakete wurden demselben npm-Nutzer deadcode09284814 zugeordnet.
Was macht axois-utils?
axois-utils liefert laut Analyse einen Go-basierten DDoS-Bot namens Phantom Bot aus. Der Bot kann Zielsysteme über HTTP, TCP und UDP fluten und enthält Persistenzlogik, damit der Payload nach der Paketinstallation erhalten bleibt.
Warum ist chalk-tempalte besonders kritisch?
chalk-tempalte ist ein Typosquatting-Paket und enthält laut OX Security einen nahezu unveränderten Klon des geleakten Shai-Hulud-Codes. Die Malware exfiltriert Secrets und kann Daten über einen gestohlenen GitHub-Token in ein öffentliches Repository schreiben.
Reicht es, die Pakete zu deinstallieren?
Nein. Nach einer Installation sollten betroffene Hosts als potenziell kompromittiert behandelt werden. Teams sollten nach Persistenzartefakten, IDE- und Coding-Agent-Konfigurationen, verdächtigen GitHub-Repositories und Netzwerkverbindungen zu den bekannten IOCs suchen und danach Secrets rotieren.
Schützt npm audit zuverlässig vor solcher Malware?
npm audit ist wichtig, erkennt aber primär bekannte Advisories und Schwachstellen. Bei frischer Malware in neuen oder typosquattenden Paketen braucht es zusätzliche Kontrollen wie Lockfile-Reviews, Paket-Allowlists, Egress-Monitoring, Secret-Scoping, Provenance-Prüfungen und sichere CI/CD-Richtlinien.

Fazit

Die vier bösartigen npm-Pakete sind ein kompakter Vorgeschmack auf die nächste Welle von Supply-Chain-Angriffen: günstige Typosquatting-Köder, wiederverwendete Malware, schnelle Exfiltration und Missbrauch von Entwickler- oder CI-Systemen. Wer betroffen ist, sollte nicht nur Pakete entfernen, sondern Identitäten und Build-Umgebungen prüfen.

Für Unternehmen ist die wichtigste Maßnahme eine klare Baseline: Paketänderungen reviewen, Secrets minimieren, CI-Runner kurzlebig halten, Egress kontrollieren und Verdachtsfälle wie echte Incident-Response-Fälle behandeln. Genau dort entscheidet sich, ob ein einzelner npm-Tippfehler ein kurzer Alarm bleibt oder zum Cloud- und GitHub-Vorfall wird.

Themen

npm MalwareSupply-Chain-AngriffInfostealerPhantom BotShai-HuludShai-Hulud-KlonTyposquattingDevSecOpsIncident Response

Quellen

  1. The Hacker News: Four Malicious npm Packages Deliver Infostealers and Phantom Bot DDoS MalwareThe Hacker News, Ravie Lakshmanan, 18. Mai 2026 – Überblick zu Paketnamen, Malware-Funktionen und Sofortmaßnahmen
  2. OX Security: New Actors Deploy Shai-Hulud Clones – TeamPCP Copycats Are HereOX Security, Moshe Siman Tov Bustan, 17. Mai 2026 – technische Analyse, IOCs und empfohlene Maßnahmen
  3. npm Docs: Securing your codenpm Docs, abgerufen am 18. Mai 2026 – offizielle npm-Übersicht zu Audit, Provenance, Registry Signatures und Malware-Reporting
  4. npm Docs: npm-audit (CLI v11)npm Docs CLI v11, abgerufen am 18. Mai 2026 – Hinweise zu npm audit und audit signatures